Pferde leasen: Tabu oder Zukunft?
Ein ehrliches Gespräch mit Alexandra von Horsify
Leasing ist in der Pferdewelt nach wie vor ein heikles Thema. Während es bei Autos, Wohnmobilen oder sogar Fernsehern völlig normal ist, finden viele es seltsam, wenn jemand dafür bezahlt, ein Pferd zu reiten, das nicht ihm gehört. Und genau dort wird es interessant — nicht nur für Pferdeleute, sondern auch für Unternehmer, die Kosten und Zeit effizienter gestalten wollen.
Ich habe mit Alexandra gesprochen, Gründerin von Horsify, einer Plattform, die das Leasen, Vermieten und Teilen von Pferden einfacher und transparenter macht. Denn warum sollte es in der Pferdewelt nicht funktionieren, wenn es in anderen Branchen längst Standard ist?
Von Zuchtstute zur Leasing-Pony: die Idee hinter Horsify
„Alles begann beim Jong KWPN“, erzählt Alexandra. „Ich habe dort zwei Gruppen gesehen: Menschen, die das Glück hatten, eine gute Zuchtstute zu Hause zu haben, und Menschen, die unbedingt züchten wollten, aber nicht die Mittel dafür hatten. Da dachte ich: Was wäre, wenn wir diese beiden Gruppen miteinander verbinden?“ So entstand die Idee zu Horsify: ein Ort, an dem Züchter ihre Stuten vermieten können und andere eine Stute leasen können, um ihren Zuchttraum zu verwirklichen. Mit klaren Absprachen, Transparenz und soliden Verträgen. „Der Züchter erhält eine faire Vergütung, der Mieter bekommt die Möglichkeit zu züchten – ohne ein Pferd besitzen zu müssen.“
Warum Leasing noch immer Widerstand auslöst
Als ich mein eigenes Pferd ins Leasing geben wollte, wurde ich auf Facebook mit Kritik überschüttet. „Du lässt Leute dafür bezahlen, dein Pferd zu reiten, das geht gar nicht.“ Als ob es etwas Absurdes wäre. Dabei: ein Leasingauto ist normal, ein Leasingfahrrad ist normal, sogar Fernseher kann man heute leasen. Aber sobald es um Pferde geht, scheint es plötzlich tabu zu sein. Alexandra kennt das gut. „Die Meinungen gehen weit auseinander. Trotzdem sehe ich, dass immer mehr Menschen die Vorteile entdecken. Wir leasen selbst ein Pony für unsere Tochter. Wir haben klare Absprachen mit dem Besitzer, wissen, dass das Pony später einen guten Rentenplatz hat, und müssen keine teure Versicherung abschließen. Das gibt Sicherheit auf beiden Seiten.“
Die Vorteile des Leasings
Für Alexandra steht und fällt alles mit klaren Vereinbarungen. Deshalb bietet Horsify verschiedene Vertragsmodelle — von Verträgen für Reitpferde bis hin zu spezifischen Vereinbarungen für Zucht- oder Tragemütter. „So verhindert man Unklarheiten über zum Beispiel die Eigentumsfrage des Fohlens, Haftung oder Laufzeiten. Das schafft Vertrauen.“
Weitere Vorteile sieht sie ebenfalls: Man teilt Kosten für Pflege, Stall und Schmied. Ein Pferd bekommt mehr Aufmerksamkeit und Bewegung. Die Einstiegshürde zu einem eigenen Pferd wird geringer.
„Für viele Menschen ist ein eigenes Pferd schlicht nicht realistisch“, sagt sie. „Leasing macht den Sport zugänglicher und fairer.“
Die Realität: Pferde waren noch nie so teuer
Man kann nicht drum herum: Die Kosten in der Pferdewelt sind explodiert. Ein Stallplatz kostet schnell 600 bis 700 € im Monat, Kotuntersuchungen haben sich im Preis verdoppelt und der Tierarzt ist selten günstig. Als Buchhalterin sehe ich das täglich: Alle zahlen, aber fast niemand verdient wirklich daran. Und das ist ein Problem. Leasing kann hier etwas verändern. Wenn zwei Menschen gemeinsam die Verantwortung für ein Pferd übernehmen, spart das nicht nur Geld, sondern auch Zeit.
„Wenn jemand die Hälfte der Zeit mein Pferd übernimmt und die Hälfte zahlt, dann haben wir beide zur Hälfte ein Pferd — mit allen Vorteilen eines eigenen.“
Warum Unternehmer das ernst nehmen sollten
Im Kern ist es simpel: Jedes gesunde Unternehmen basiert auf Gewinn. Doch Gewinn bedeutet nicht nur Geld — er umfasst auch Zeit, Komfort und Freude. Und das gilt genauso in der Pferdewelt. Viele Unternehmer (in allen Branchen) kämpfen mit steigenden Kosten, vollen Terminkalendern und Personalmangel. Genau dort bieten neue Geschäftsmodelle wie Leasing, Vermieten oder Teilen enorme Chancen. Es erfordert lediglich ein anderes Denken.
„Pferdemenschen neigen dazu, an alten Strukturen festzuhalten“, sagt Alexandra. „Aber wenn wir wollen, dass der Sektor zukunftsfähig bleibt, müssen wir den Blick öffnen.“
Teilen ist das neue Besitzen
Auf Horsify findet man nicht nur Leasingpferde, sondern auch Menschen, die Ausrüstung teilen wollen: Sättel, Decken, Abfohlsysteme oder andere Materialien, die oft den Großteil des Jahres ungenutzt herumliegen. „Warum sollte man das nicht vorübergehend vermieten?“ sagt Alexandra. „Es spart Geld, Platz und vermeidet Verschwendung. Und für Unternehmer entstehen neue Einnahmequellen.“ Genau diese Denkweise — teilen, kooperieren und transparent sein — kann den Pferdesektor voranbringen.
„Es muss win-win sein“
Ob man kauft, least oder vermietet: Die Basis muss fair sein. Eine Win-win-Situation für Besitzer und Nutzer. Sobald eine Seite das Gefühl hat, dass das Gleichgewicht verloren geht, wird es schwierig. Und genau deshalb sind klare Absprachen, Vertrauen und Offenheit so wichtig. Wie in jeder Zusammenarbeit entstehen die meisten Probleme im Nachhinein — wenn vorher nichts festgehalten wurde.
Die Zukunft des Pferdeleasings
Am Ende unseres Gesprächs waren wir uns einig: Die Pferdebranche braucht Innovation — aber vor allem mehr Offenheit. „Wir müssen nicht alle dasselbe tun“, sagte ich. „Aber wir können neugierig auf die Ideen anderer sein.“ Und genau dort beginnt Veränderung: durch Zuhören, Lernen und gemeinsames Suchen nach Wegen, den Sport bezahlbar und angenehm zu halten.
💡 Was Unternehmer daraus mitnehmen können
Egal ob man mit Pferden, Produkten oder Menschen arbeitet: Gewinn entsteht nicht nur durch mehr Verkäufe, sondern durch das klügere Nutzen dessen, was bereits vorhanden ist. Wer neue Formen der Zusammenarbeit ausprobiert — wie Leasen, Vermieten oder Teilen — vergrößert nicht nur seine Reichweite, sondern auch den Gewinn in Zeit, Geld und Komfort. Mehr Gewinn bedeutet nicht härter arbeiten, sondern besser entscheiden.
Und es beginnt mit einer einfachen Frage: Was habe ich bereits, das mehr wert sein könnte, wenn ich es teile?
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